Piraten fragen: „Hat Raiffeisen ein Abo auf den Uni-Rat-Vorsitz?“

Als Zumutung bezeichnet Klaus Winkelbauer, Mitglied des Landesvorstandes der Piratenpartei Oberösterreich, dass dem derzeitigen Vorsitzenden des Universitätsrates der Johannes-Kepler-Universität, Ex-Raiffeisen-Generaldirektor Ludwig Scharinger, in dieser Funktion die Raiffeisen-Vorstandsfrau Michaela Keplinger-Mitterlehner nachfolgen soll. Scharinger war zwei Perioden im Amt und kann daher nicht wiederbestellt werden.

„Deutlicher kann wohl kaum ausgedrückt werden, wie stark sich die Linzer Universität in Geiselhaft der Großfinanziers befindet“, kritisiert Mario Wieser, ebenfalls Mitglied des Landesvorstandes, die Gepflogenheiten. „Es ist demokratiepolitisch unerträglich, wenn Profitinteressen von Banken und Konzernen die Entwicklung von Einrichtungen des öffentlichen Interesses, wie es die Universitäten sein sollen, bestimmen.“

Unter der Regie des für seine umfangreichen Netzwerke sowohl im Spektrum der ÖVP als auch der SPÖ bekannten Scharinger wurde die Präsenz von Raiffeisen an der Johannes-Kepler-Universität mit der Errichtung des Bankengebäudes, einem „Raiffeisen-Hörsaal“ und einem Scharinger-Förderpreis derart ausgeweitet, dass es wohl ehrlicher gewesen wäre, sie gleich in „Ludwig-Scharinger-Universität“ umzubenennen.
Aussagen wie die des früheren Uni-Rektors Rudolf Ardelt, diese Präsenz von Raiffeisen sei „absolut keine Übernahme der Uni“ und Sponsoringgelder seien heute für die Unis „unerläßlich“, zeigen die Unterwerfung der Hochschulen unter die Interessen des Kapitals. Dass dies nicht nur in Linz so ist, zeigt die Nominierung der Industriellen oder Bankmanager Werner Tessmar-Pfohl (FKU Graz), Hannes Androsch (MU Leoben), Helmut List (TU Graz), Max Kothbauer (Uni Wien), Siegfried Sellitsch (TU Wien), Herta Stockbauer (Uni Klagenfurt), Otto Zich (Uni Salzburg) und Klaus Liebscher (WU Wien) als Vorsitzende der jeweiligen  Universitätsräte.

Auch der Milliardär Frank Stronach, der sich vor kurzem durch eine Großspende die Gunst der Leitung der Johannes-Kepler-Universität erkauft hat, hielt am Montag in einen Vortrag an der JKU, um die Werbetrommel für seine neu gegründete Partei zu rühren.

„Die Finanzierung der Hochschulen durch den Staat sollte gewährleisten, dass die Universitäten nicht von Gönnern abhängig sind, die ihre eigene Agenda auch in diesem Bereich durchsetzen wollen. Der gesamte Bildungssektor ist für kommenden Generationen zu wichtig, um ihn zum Spielball finanzkräftiger Interessensvertreter verkommen zu lassen“, so Martin Föttinger, das dritte Mitglied des Landesvorstandes abschließend.